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Leicht gewölbt

Ein Artikel von Wilfried Dechau, http://www.german-architects.com/de/projects/40794_Oekumenisches_Forum_Hafencity  /Wilfried Dechau) 

Im Sommer 2012 wurde in der Hamburger Hafen-City, einem hurtig weiter wachsenden Stadtteil mit rund zehntausend Bewohnern und vier mal so vielen (meist Büro-) Arbeitsplätzen, das erste sakrale Gebäude eröffnet. Und das hat es in sich: Mögen sich andernorts die beiden großen, christlichen Kirchen schwertun mit der Ökumene, so hat man es hier geschafft, gleich 21 christliche Konfessionen unter ein Dach zu bringen. Allein dies verdient alle Achtung! Das Ökumenische Forum ist Teil einer – noch nicht komplett geschlossenen – Blockrandbebauung. Im Erdgeschoss befinden sich die gemeinsam genutzte Kapelle, ein Café und ein Veranstaltungssaal. In den ersten beiden Obergeschossen sind Büros, darüber Wohnungen des postmodernen Stadtklosters der Ökumenischen Hausgemeinschaft,  in dem auch 4 Personen des Laurentiuskonvent leben. In einem Gästebereich leben internationale Studenten, die in Hamburg ein Sozialpraktikum machen.

Beim Gebrauchtwagenkauf wäre die Feststellung »Leicht gewölbt!« verheerend, auf jeden Fall ließe sich damit der Verkaufspreis kräftig drücken. Es sei denn, die Dellen und Beulen sind Bestandteil der Stabilisierung und Formgebung, also des Auto-Designs. Dann hießen sie aber auch anders. Zum Beispiel Sicken und Schweller.  So ähnlich verhält es sich mit den Wölbungen und Dellen im Mauerwerk des Ökumenischen Forums. Sie mindern dessen Wert nicht. Ganz im Gegenteil. Eine der beiden modelliert auf Augenhöhe die Einladung zum Betreten des Forums und weist mit dem ins Mauerwerk integrierten, aus lasierten Ziegeln gemauerten Kreuz auf das hin, was einen im Inneren erwartet. Die zweite bemerkt man erst, wenn man zur Traufkante aufschaut: Sie beherbergt die Glocke. Die dritte, von außen betrachtet eher Beule als Delle, markiert  – auf der Rückseite des Gebäudes – die Lage der Kapellenapsis.

Am Computer lassen sich derart auflockernde Verformungen der Fassade schnell hinzeichnen, beim Einschalen der 25 cm starken Stahlbetonwand geht’s schon nicht mehr ganz so flott von der Hand, und beim Mauern des 11,5 cm starken Sichtmauerwerks ist deutlich mehr als die übliche Routine gefordert. Aber die Wirkung ist zauberhaft. Vor allem morgens, wenn die niedrig stehende Sonne das Relief plastisch hervortreten lässt. Passanten (wahrscheinlich Architektouristen) meinten scherzhaft, die Beulen gingen wohl aufs Konto des in Hamburg eher rauen als lauen Lüftchens. Tatsächlich kann einem der Wind dort schon mal kräftig um die Ohren blasen, aber was er anrichtet, sieht anders aus: Die provisorische Brandwand-Verkleidung hat er so zerfleddert, dass sie »genäht« werden musste, um dem Wind keine weitere Angriffsfläche zu bieten. Dabei kommt es nur auf Dichtheit an, nicht auf Schönheit – und doch hat die eher dem Zufall geschuldete Grafik einen unwiderstehlichen Reiz.

(Quelle: http://www.german-architects.com/de/projects/40794_Oekumenisches_Forum_Hafencity  /Wilfried Dechau)

Bauherr + Hauptmieter

Bauherr
Grundstücksgesellschaft Shanghaiallee
Hafencity GbR
Hamburg

Hauptmieter
Die Brücke e.V.
Shanghaiallee 12-14
Hamburg

Architekten + Projektleitung

Architekten
Wandel Hoefer Lorch Architekten
Prof. Wolfgang Lorch
Prof. Andrea Wandel

Projektleitung
Florian Götze

Statik + Haustechnik

Statik
Weber Poll Ingenieure
Hamburg

Haustechnik
HKP Ingenieure
Hamburg

Fassadentechnik + Akustik

Fassadenstatik
Ingenieurgemeinschaft Puszies
Hamburg

Akustik
Air Akustik
Hamburg

Planungsdaten + Baukosten

Planungsdaten
BGF: 6.400 m²
HNF: 2.800 m²
Umbauter Raum BRI: 24.000 m³

Baukosten
13.800.00 EUR/brutto
inkl. Grundstückskauf

Grundstücksgröße + Geschosse

Grundstücksgröße
1.170 m²

Geschosse
9

Gründung, Geothermie + Solarenergie

Gründung
Pfahlgründung 118 Stück

Geothermie
35 Pfähle der Gründung

Solarenergie
Solarthermienutzung

Heizung + Fotografie
Heizung
Fernwärme
Fotografie
Norbert Miguletz

Ökumenisches Forum HafenCity

Besuchen Sie uns im Ökumenischen Forum HafenCity !

 

Ökumenische Kapelle

Zentrum des Gebäudes ist die Ökumenische Kapelle, in der die Schönheit und Vielfalt gelebten christlichen Glaubens zu sehen und zu spüren ist.

Wenn Sie die Kapelle betreten, gelangen Sie vom Bürgersteig aus zunächst in einen Vorraum. Dieser bildet einen Übergang von außen nach innen, die Decke ist golden und der durchgehende Fußboden verbindet den Innenraum mit der Kapelle.

Die Türen der Kapelle sind mit Zitaten aus der Charta Oecumenica in Russisch, Deutsch, Englisch und Dänisch bedruckt. Die Charta Oecumenica ist ein für die Ökumene wichtiges Dokument, das Leitlinien für die wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen in Europa beinhaltet.

Der Innenraum der Kapelle ist durch die transparente Backsteinwand geprägt. Es fällt nur indirektes Licht in den Raum und schafft eine besondere Atmosphäre.

Altar, Lesepult und Kreuz sind wesentliche Orte und Elemente in jedem Kirchraum und befinden sich darum auch in der Ökumenischen Kapelle.

Die Vielfalt der Mitgliedskirchen findet einen Ausdruck in der Gestaltung der Wände: Auf der vom Eingang aus linken Seite sind die Kirchen zu finden, die stärker dem bildlichen Ausdruck verbunden sind. Eine Ikone aus Russisch-Orthodoxer Tradition zeigt Maria mit dem Jesuskind. Die Griechisch-Orthodoxe Metropolie hat eine Christus-Ikone eingebracht. Das Erzbistum Hamburg, die römisch-katholische Kirche, hat eine Reliquie vom Heiligen Laurentius eingebracht und die Alt-Katholische Pfarrgemeinde ein Wort ihres Bischofs Joseph M. Reinkens: „Alles, was nicht aus Überzeugung getan wird, ist Sünde“.

Die gegenüberliegende Wand, vom Eingang aus rechts gesehen, ist von den Kirchen der Reformation gestaltet, die sich eher dem Wort verbunden fühlen. Hier sind biblische Worte oder Zitate von Kirchengründern in die Backsteine eingeprägt:

  • „No one has greater love than this, to lay down one´s life for one´s friends.“ (Joh 15,13) Anglikanische Kirche
  • „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“ (Ps 119,105) Evangelisch- Lutherische Kirche
  • „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist.“ (Ex 20,4) Evangelisch- reformierte Kirche
  • „Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller Menschen.“ (Eph 4.5f) Evangelisch- freikirchliche Gemeinden (Baptisten)
  • „Richte du, Gott, unsere Füße auf den Weg des Friedens.“ (Lk 1,79) Mennonitengemeinde
  • „Wir denken und lassen denken und bestehen nur auf einem, dem Glauben, der durch die Liebe tätig ist.“ (John Wesley) Evangelisch- methodistische Kirche

Aus dem Miteinander von Bild und Wort ergibt sich ein Dialog, der Ausdruck des Miteinanders trotz aller Verschiedenheit im Gegenüber wird.

„Wir müssen von schriftlichen Erklärungen hin zu konkreten praktischen Veränderungen kommen.Die Ökumene braucht solche Orte, an denen Überzeugungen gelebt werden.“

Bundestagspräsident Lammert

„Ich bin begeistert, dass die Kirchen gerade hier in der HafenCity so ein symbolisch überzeugendes und praktisch nutzbares zeichen setzen.“

Erster Bürgermeister von Hamburg, Olaf Scholz, bei der Eröffnung 2012

„Als besonders gelungen empfand ich es, dass an der Eingangstür zur Kapelle die Charta Oecumenica eingraviert ist.“

Monsignore Austen (Bonifatiuswerk)

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