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Deutschland – mein Traum. Interview mit Leila Bartz aus Brasilien

Am 30. März 2017 landete Leila Bartz aus Santa Maria, Brasilien in Hamburg. Ihre familiären Wurzeln liegen in Deutschland und es war immer ihr sehnlichster Wunsch das Land ihrer Vorfahren zu bereisen. Ein Jahr hat sie im Ökumenischen Forum in der Internationalen Gästewohnung gelebt. Kurz vor Ostern fliegt sie zurück und schaut auf ein Jahr Deutschland zurück.

Wie ging es Dir, Leila, in deiner ersten Woche?

Wunderbar! Ich war gleich mittendrin: Sightseeing in Hamburg: Hafen, Alster, Rathaus und Petri-Kirche. Meine brasilianische Mitbewohnerin, die ein paar Wochen Vorsprung hatte, hat mich rumgeführt. Dann: erster Tag bei der Arbeit im Kindergarten an der Friedenskirche/St. Pauli.

Bist Du mit bestimmten Vorstellungen von Deutschland hergekommen?

Mein Bild von den Deutschen war, dass sie pünktlich sind, süßsauer essen und viel tanzen (da hatte ich Bilder von bayrischen Menschen vor Augen, die Trachten tragen). Das stimmte alles so nicht. Noch dazu war es in der Internationalen Gäste-WG sehr bunt. Die Welt im 6. Stock ist viel größer: unterschiedliche Kulturen, Länder und Gerichte. Und auch unterschiedliche Probleme. Es war für mich wichtig, die Erlebnisse, z.B. von meinen Mitbewohnern aus Syrien, zu hören.

Was denkst du heute, was typisch deutsch ist?

Leila zögert einen Moment, bevor sie sagt: …nicht ganz so euphorisch zu sein, besonders was das Loben betrifft. Der Chef meiner Mitbewohnerin hat z.B., wenn Sie etwas besonders gut gemacht hat, als Rückmeldung gesagt: „nicht schlecht“! Bisschen mehr Begeisterung wäre da doch schön, oder?

Bist Du in der HafenCity am richtigen Ort gelandet?

Meine Vorfahren sind alle per Schiff von Hamburg nach Brasilien gekommen, so war die HafenCity und besonders der Hafen mein Lieblingsplatz. Das Ökumenische Forum ist ein toller Ort der Begegnung. Ich habe die Ökumenische Hausgemeinschaft mit ihren Ritualen genossen: den Pfingstausflug per Rad, den lebendigen Adventskalender. Leider habe ich nicht von Anfang an mitbekommen, was alles so im Haus läuft.

Wie hat Dir deine Arbeit gefallen?

Ich war gerne im Kindergarten. Besonders schön fand ich, wenn die Pastorin einmal in der Woche gekommen ist und mit den Kindern was gemacht hat. Kurz vor dem Reformationstag hatten wir ein Frühstück wie zu Luthers Zeiten und die Kinder haben sich über einer Schüssel die Hände gewaschen und etwas von der Familie Luther erzählt bekommen. Hart war es manchmal 39 Stunden pro Woche zu arbeiten und dann auch noch Sprachkurs zu haben. Will man dann noch die Stadt und das Land erkunden, kommt man kaum zum Schlafen.

Hast Du mit den Kindern etwas Neues entdeckt?

Jede Menge! Besonders schön waren das Laternelaufen und der Nikolaus, das gibt es bei uns in Brasilien nicht.

Leila, Du bist sehr viel gereist. Fast jedes Wochenende warst Du unterwegs. Was waren deine Highlights?

London, Prag und Barcelona waren super! Und die Gruppenreise nach Wittenberg.

Und welche Stadt hat Dir in Deutschland am besten gefallen?

Welche Frage! Natürlich Hamburg!

Was wirst Du am meisten aus Deutschland vermissen, wenn Du zurück bist?

Mich auf der Straße sicher zu fühlen. Hier kannst Du immer, auch wenn es dunkel ist, rausgehen, auch alleine. Und das ist verbunden mit einem Gefühl von Freiheit. Auch sonst ist es locker. Du kannst anziehen, was Du willst und niemand beäugt dich.

Und worauf in Brasilien freust Du dich besonders?

Na, klar: auf meine Familie und meine Freunde und warmes Wetter! Und ich freue mich aufs Essen: Churrasco und jetzt wenn die Ernte beginnt, auf die vielen aromatischen Gemüsesorten und Obstsorten. Und dann gehe ich, (dabei hat Leila leuchtende Augen und ein strahlendes Gesicht) zu allen Obstbäumen und pflücke die Früchte frisch und mache einen Saft; und der, der schmeckt dermaßen gut!

Das Interview führte Corinna Schmidt

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