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Passionszeit

– ich sehe nicht weg, höre hin, lasse mich berühren vom alltäglichen Leid.

„Ich habe Durst“, „Ich habe Hunger“, „Ich habe Angst“.
Am Ende sind es die einfachen Worte, die bleiben. Kein Platz für Pathos – auch am Kreuz: „Mich dürstet“, „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Jesus bekommt keine Antwort. Ungestraft triumphieren die Spötter, die Folterknechte, die politischen Taktierer. Auch das gehört zur Passionszeit: Aushalten, dass die Frage nach dem Leid oft unbeantwortet bleibt. Aushalten, dass Menschen leiden und dass Menschen andere Menschen leiden lassen.
Passionszeit – ich sehe nicht weg, höre hin, lasse mich berühren vom Leid. Aber ich lasse mich auch berühren von den leidenschaftlichen Verheißungen Gottes. Verheißungen gegen das Leid. Unbescheiden sind sie und unverschämt. Aber gerade in ihrer Maßlosigkeit, in ihrer Unbescheidenheit liegt die Würde und die Anziehungskraft der Verheißungen.. Gegen das Leid halten Gottes Verheißungen die Sehnsucht in mir wach nach einer Welt, in der die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden, eine Welt in der die Lahmen springen werden wie Hirsche und die Zunge der Stummen frohlocken wird. Eine Welt, wo Schwerter zu Pflugscharen werden und das Kriegshandwerk keine Lehrlinge mehr findet.
Und das einzige, was meine Passion für diese Verheißungen wachhält sind sind wilde Gerüchte.
Man hat den Gottverlassenen, den Leidenden und Totgeglaubten berührt, man hat mit ihm gegessen, im Morgengrauen meistens, in der Zeit der Undeutlichkeit; in der Zeit, die noch keine vollständige Sicherheit erlaubte; in der Zeit, in der der Lebendige verwechselt werden konnte mit einem Gärtner, mit einem Wanderer; mit einem, der zufällig am Ufer des Sees stand; in der Zeit, in der die Zweifel nicht ganz ausgeschlossen werden konnten.

Pastor Thomas Raape, Pastor der Ev.-ref. Kirche in Hamburg

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